Hörpause: Warum Ruhe gut fürs Gehör ist

Achtsamkeit ist das Gebot unserer Zeit, gegenüber der Natur, aber auch gegenüber unseren Sinnen und uns selbst. „Den Ohren öfter mal eine Pause gönnen“ ist ein wohlmeinender Ratschlag der Hörakustiker-Gilde. Aus gutem Grund. Verkehrslärm und laute Betriebsamkeit prägen unseren Akustikalltag – nicht nur zur Rushhour, und längst nicht nur im Großstadt-Dschungel. Lesen Sie hier, warum Hörpausen gut tun und wie Sie Hörfähigkeit trainieren können, um Altersschwerhörigkeit aufzuhalten ...

Wenn der erste Schnee fällt und die Landschaften verzaubert, ist auch die Akustik urplötzlich eine andere. Die strahlend weiße Pracht deckt alles Graue zu und schafft dort, wo eben noch scharfe Ecken und Kanten das Bild dominierten, geschwungene weiche Formen und fließende Übergänge. Wenn Sie in diesen Situationen einmal genauer hinhören, werden Sie feststellen, dass viele Geräusche und Töne ebenfalls weicher und gedämpfter klingen. Gleichsam, als schluckten die Abertausenden von Schneeflocken den Schall. Sicher liegt hierein zumindest ein Teil der „Faszination Winter“ begründet, denn viele empfinden besinnliche Ruhe als Geschenk. Verkehr ist plötzlich lahmgelegt, die Hektik ausgebremst, und alles verläuft gemächlicher. Eine Wohltat für den Moment, die nicht selten positive Auswirkungen zeigt, wenn unsere Hörsinneszellen in den Entspannungsmodus wechseln. Im Idealfall inspirieren uns solche Momente, öfter mal abzuschalten – mit den Ohren!

Warum brauchen Ohren eine Pause?

Genau genommen sind es die Hörsinne, denen wir öfter mal eine Pause gönnen sollten. Es fällt uns schließlich viel leichter, einfach mal die Augen zu schließen, als das Hören abzustellen. Doch auch die Hörsinne brauchen Zeit zur Erholung, daher sind längere Ruhephasen für unsere Hörgesundheit so wichtig, und daher auch die Erkenntnis „Lärm macht krank“. Nur in Ruhephasen können die Sinneshärchen im Innenohr entspannen und sich regenerieren. Werden die sensiblen Sinneszellen dagegen extrem überlastet (z.B. Knalltrauma) oder sehr häufig stark belastet (Fabriklärm, etc.), kann ein Hörverlust die Folge sein.

Einfach mal Kopfhörer aufsetzen und alles ausblenden

Noise-Cancelling-Kopfhörer liegen derzeit voll im Trend. Laut Hersteller eliminieren sie den Lärm, schalten Störgeräusche einfach aus. Das sei besser fürs Gehör, da man die Musik nicht so laut aufdrehen müsse. Das stimmt natürlich. Dennoch sind diese Noise-Cancelling-Kopfhörer im Grunde nichts anderes als geschlossene Kopfhörer, die aufgrund ihrer Ohren umschließenden Bauweise störende Außengeräusche beim Musikhören abschirmen. Diesen Vorteil kann man sich natürlich auch ohne Musik zunutze machen – einfach mal einen guten Kopfhörer aufsetzen und alles ausblenden.

Auch zu Übungszwecken sind Kopfhörer der geschlossenen Bauweise gut geeignet. Nämlich dann, wenn man entspannende Musik einspielt und die Lautstärke so moderat einstellt, dass die Töne gerade noch zu hören sind. Damit schulen Sie Ihre akustische Wahrnehmung und trainieren die Hörfähigkeit. 30 Minuten reichen schon. Gönnen Sie sich ein gelegentliches Hörtraining dieser Art – es darf ebenso gut ein Hörbuch sein, und Sie halten die weit verbreitete Altersschwerhörigkeit merklich auf Distanz. Weitere Übungen sind das Orientierungshören und das Hörakustische Ausmalen.

Präventives Hörtraining – spannende Übungen in der Natur

Beim Orientierungshören gehen Sie gezielt nach Draußen, in eine Ihnen eher unvertraute Umgebung und suchen sich ein lauschiges Plätzchen. Das „lauschige“ dürfen Sie gern wörtlich nehmen. Es könnte zum Beispiel eine Parkbank sein, eine Mauer oder ein schattiges Plätzchen unterm Baum. Nun geht es darum, mit geschlossenen Augen in die akustische Klangwelt vor Ort einzutauchen und die unterschiedlichen Töne zu erkennen. Mitunter ist es recht knifflig, ihre Herkunft zu orten und vorüberziehende Geräusche nachzuverfolgen.

Das Hörakustische Ausmalen ist eine Übung, die Sie im Prinzip immer und überall machen können. Gut geeignete Orte dafür sind zum Beispiel ein Café, ein bequemes Plätzchen in der Fußgängerzone oder ähnliches. Schließen Sie die Augen und konzentrieren Sie sich auf ein angenehmes, vielleicht sogar unterschwelliges Geräusch. Versuchen Sie der Tonquelle eine Farbe zuzuordnen, die Ihrer Meinung nach gut zur Klangfarbe passen würde. Wählen Sie zu dieser Farbe passend ein weiteres Geräusch, dann noch eines und erweitern Sie auf diese Weise das Bild vor Ihrem inneren Auge. Mit etwas Übung werden Sie schon bald feststellen, wie gut Sie mit den Ohren sehen können.

Noch eine Anregung zum Abschluss: Sollten Sie öfter das Gefühl haben, dass es um Sie herum zu laut ist oder sollten Sie sich durch neue laute Geräuschquellen in Ihrer Umgebung gestört fühlen, sprechen Sie doch mal mit Ihren Hörakustiker über das Thema Gehörschutz. Eine Lösung ist einfacher, als Sie vielleicht denken.

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