Warum der Schnarcher sein Schnarchen nicht hört

Erst ist es ein leises Surren in der Kehle, dann ein brummendes Sägen im Walde, ein immer lauter wütendes Knurren – wie ein angriffslustiger Grizzlybär: Nächtliches Schnarchen kennt viele akustische Auswüchse. Je lauter, desto unmöglicher ist es dabei zu schlafen – schon gar nicht in direkter Nähe. Wie kommt es dann, dass der Schnarcher davon selbst nicht aufwacht? Dass der Verursacher dieser störenden Dauerbeschallung in aller Seelenruhe weiterschlafen und weiterschnarchen kann. Hört er es denn nicht? Kann er es womöglich gar nicht hören? Sie werden staunen.

Die schönste Info zuerst: Es gibt tatsächlich Ehefrauen, die das Schnarchen ihres Partners überhören. „Mein Mann schnarcht doch gar nicht“ heißt es dann, obwohl alle übrigen Familienmitglieder es schlichtweg besser wissen. Tatsächlich sind es überwiegend Männer, die schnarchen. Schlafmediziner schätzen, dass 25 % bis 50 % aller Herren im mittleren oder höheren Lebensalter regelmäßig schnarchen. Unter den Frauen vermutet man im entsprechenden Alter bis zu 25 % Schnarchende. Und: Mit zunehmendem Alter steigt für Männer wie für Frauen die Wahrscheinlichkeit, sich in die Riege der akustischen Holzfäller einzureihen. Warum ist das so?

Schauen wir uns den nächtlichen Tatort genauer an, den Ursprungsort der wilden Schnarcherei, dann erkennen wir den Dreiklang aus entspannter Muskulatur, Atem-/Luftstrom und Vibration. Das Zungenbein und Gaumensegel im Rachenraum sind es, die im Zuge der Einschlafphase immer mehr entspannen und schließlich wie ein Segel im Atemwind flattern und somit die Schnarchgeräusche verursachen. Durch Alkoholgenuss wird dieser Entspannungsprozess oftmals beschleunigt und verstärkt. Hinzu kommt: Je älter wir werden, desto mehr verliert unser Bindegewebe an Festigkeit und Spannkraft. Genauso, wie unsere Haut im Laufe der Jahre an manchen Stellen schlaffer wird. Wenn ältere Menschen eines Tages zu schnarchen beginnen, ist das also alles andere als ungewöhnlich. Und doch passiert gerade jetzt das Erstaunliche: Das eigenfabrizierte Surren und Knurren wird für ihr Gehirn zur Routine.

Anfangs werden die Schnarch-Novizen sehr wahrscheinlich selber aufwachen, zumindest solange es sich noch um ungewohnte Störgeräusche handelt. Doch der Mensch wäre nicht Mensch, wenn er nicht lernfähig wäre. Und so lernt unser Gehirn, das eigene Geschnarche mit der Zeit auszublenden, zu ignorieren. Schließlich ist der Schlaf für unseren Körper, für unseren Geist und Mechanismus von existenzieller Bedeutung. Schlafmediziner gehen davon aus, dass die Schnarchlaute zwar immer noch innerhalb des Hörapparates wahrgenommen und als akustische Impulse von den Sinneszellen an das Gehirn zur Informationsverarbeitung weitergeleitet werden. Unser Gehirn jedoch lernt im Laufe der Zeit, vereinfacht gesagt, zwischen externer Gefahrenakustik und der körpereigenen Akustik zu unterscheiden. Das eigene Schnarchen wird demnach sehr wohl vom eigenen Gehör akustisch registriert, es wird vom Gehirn aber nicht mehr in Handlungsimpulse umgewandelt. Es lernt insofern – mit jeder Schnarchphase mehr – den eigenen Krach zu überhören.

Diese Kunst des menschlichen Gehirns, sich an neue Eindrücke stetig anzupassen, erklärt auch, warum wir uns an ein Hörgerät erst mal gewöhnen müssen. Warum das so ist, erfahren Sie in „Gehör & Gehirn – das Dreamteam, Teil 2“ ...

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